„Wie geht es Ihnen?“ Dieser so alltägliche und sonst oft bloß dahingesagte Satz hatte eine ganz besondere Wirkung, wenn er von Pfarrer Hans Christian Johnsen kam. 250 Menschen – aus Eilendorf, Aachen, dem Kirchenkreis und von weiter her waren am Samstag in die Versöhnungskirche gekommen, um Pfarrer Johnsen in den Ruhestand zu verabschieden. Dass seine Frage „Wie geht es dir?“ oder „Wie geht es Ihnen?“ immer ernst und aufrichtig gemeint war, mit Freundlichkeit und ehrlichem Interesse am Wohlergehen der anderen Person, dabei besonders einladend zu einem persönlichen Gespräch – das war wohl eine der meistgenannten Eigenschaften, die Pfarrer Johnsen auszeichnete und die viele der Anwesenden als besonders liebenswert hervorhoben.
Ein begeisternder „Himmelskomiker“ verabschiedet sich aus der Aachener Versöhnungskirche
Entpflichtung durch Superintendentin Jantzen
21 Dienstjahre an der Versöhnungskirche in Aachen-Eilendorf liegen hinter Hans-Christian Johnsen. Davor Stationen in Koblenz, Dinslaken, Duisburg und Südafrika. „Du hast schon ‚Interreligiösen Dialog‘ gemacht, als davon noch niemand sprach, und Quartiersarbeit, bevor das jemand kannte“, sagte Superintendentin Verena Jantzen zu Johnsens Entpflichtung. Und auch sie berichtete, wie so viele Gäste und Gratulierende an diesem Tag davon, dass seine freundliche Frage „Wie geht es Ihnen?“, der erste gute Eindruck gewesen sei, den Sie damals im Bewerbungsverfahren um ihre Stelle wahrgenommen hatte, wenn Pfarrer Johnsen als Vorsitzender des Nominierungsausschusses sie in Edinburgh anrief.
Predigt über eigenen Konfi-Spruch
Johnsen selbst sprach in seiner Abschieds-Predigt über seinen Konfi-Spruch, der er sich 1975, mit 15 Jahren, ausgesucht hatte: „Kinder, lasst uns nicht mit Wort und Rede lieben, sondern durch Tat und Wahrheit.“ (1. Johannes 3, 18) Über diesen Bibelvers predige er an seinem Abschiedstag tatsächlich zum ersten Mal, wie er verriet. Besonders gut habe ihm immer schon gefallen, dass es dabei um die Umsetzung des Glaubens gehe, „jenseits der Sonntagspredigten“, sagte er. Doch der schwierigere Teil des Spruchs, die Suche danach, was denn die Wahrheit sei, das habe ihn ein Leben lang beschäftigt. In seiner Predigt grüßte Johnsen nicht nur seinen Bruder, der den Gottesdienst von Vietnam aus per Videostream verfolgte, sprach über seine Zukunftspläne (Reisen, lesen, Fahrrad fahren, seine vier Kinder besuchen) und erinnerte an die vielen Aktionen in Aachen, die ihm besondere Freude gemacht haben, wie das Weihnachtssingen auf dem Tivoli, Theaterspielen oder die Schaffung des Johannesgartens an der Kirche. Sehr bewegend sprach er auch von den Zeiten, in denen sein Glauben auf die Probe gestellt wurde und die „geprägt waren von Abschied und Verlust“, insbesondere durch den Tod seiner Frau Carola im Jahr 2017. „Unsere Not und unsere Fragen gehören zum Glauben“, sagte Johnsen. „Aber ich habe hier in der Gemeinde die Erfahrung gemacht, dass ich getragen wurde, und dafür bin ich dankbar.“
Wichtig: Sich nicht zu ernst nehmen
Besondere Freude habe ihm in seiner Dienstzeit immer der Konfi-Unterricht gemacht, „weil junge Menschen einen frischen Blick auf die Welt haben“, sagte Johnsen in seiner Predigt. Er habe auch sehr gerne von den muslimischen Mitbürgern gelernt und darüber, wie sie ihren Glauben verstehen und mit ganz unterschiedlichen Menschen über Gott und die Welt gesprochen. Auf seiner Suche danach, was nun die Wahrheit ist, sei er inzwischen zu dem Schluss gekommen: „Wahrheit finden wir in Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Menschlichkeit.“ Wichtig sei es im Leben außerdem, sich nicht zu ernst zu nehmen. Johnsen: „Pfarrer sind doch eigentlich Himmelskomiker.“
"Protestantische Printen" machen zu dritt weiter
Dass dies nicht ganz falsch ist, bewies ein Punkt im Festprogramm nach dem Gottesdienst, in dem mehrere Chöre auftraten, viele Grußworte gesprochen und Geschenke überreicht wurden. Eines der Highlights des Nachmittags: Der Auftritt von Pfarrerin Monica Schreiber und Pfarrer i.R. Uwe Loeper, mit denen Hans Christian Johnsen gemeinsam als die „Protestantischen Printen“ Kirchen-Kabarett spielt. Der Sketch „Sicherheitsüberprüfung“, der aus Johnsens Feder stammt, nahm viel Typisches aus dem Kirchen-Alltag aufs Korn und sorgte beim Publikum für großes Gelächter. Nach seinem Abschied sei die Mitwirkung bei den „Printen“ das einzige kirchliche Engagement, das er zunächst fortsetzen werde, erzählte Johnsen. Für das kommende Jahr habe die Gruppe sich als Programmpunkt für den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf beworben und sei gespannt, ob sie angenommen werde. Davon abgesehen müsse er seine Rolle im Ruhestand aber erst einmal neu finden.
Übergang klug vorbereitet
Für die Versöhnungskirche und die Kirchengemeinde Aachen bedeutet dies zwar, dass sie in Zukunft tatsächlich ohne den langvertrauten Pfarrer auskommen muss. Jedoch, so lobte es auch Superintendentin Jantzen, habe Johnsen den Übergang und seinen Abschied schon länger klug und vorausschauend vorbereitet. Denn in Zukunft sind Pfarrerin Astrid Brus und Pfarrer Jan Lübking zu zweit für die drei evangelischen Kirchen des Gemeindebereichs Nord verantwortlich, die Versöhnungskirche, die Friedenskirche und die Christuskirche. Das neue Konzept, das hier inzwischen gelebt wird, funktioniert, so sind sich alle einig: Jeden Sonntag findet in einer der drei Kirchen ein zentraler Gottesdienst statt. Dabei gibt es sehr viele neue Gottesdienst-Formen, vom Yoga-, über Literatur- und Wohnzimmer- bis zum Strick-Gottesdienst. „Es kommen dadurch Menschen in die Kirche, die früher nie da waren“, sagte Astrid Brus. Die Zahl der Besucher sei gestiegen, so berichtet sie, und die Gemeindeglieder im Bereich seien immer mehr bereit dazu, auch in andere Kirchen als ihre im eigenen Bezirk zu fahren. Und Pfarrer Jan Lübking bestätigt: „Ich fand beeindruckend, dass Hans Christian alle Veränderungsprozesse mitgegangen ist und immer unterstützend war.“
Großer Dank an die "Philanthropie in Person"
Über den Erfolg der neuen Konzepte freut sich natürlich auch der nun Verabschiedete, der damit seine Kirche und seine Gemeinde in guten Händen weiß. „Das Wichtigste ist doch die Frage, wo wollen wir uns in Zukunft hinbewegen als Kirche“, so Johnsen. „Wie können wir die Menschen erreichen in ihrer Lebenswirklichkeit?“ Dass er das oft geschafft hat in seiner Dienstzeit, davon zeugten die vielen Worte, die an diesem Tag in den Abschiedsgrüßen an ihn gerichtet wurden: „Du bist ein Ermöglicher“, „Du bist für mich die Philanthropie in Person“, „Deine Gottesdienste waren immer nah am Leben“, „Du wolltest immer wirklich wissen, was den anderen bewegt“, „Du hattest immer ein offenes Interesse allen Menschen gegenüber“, „Du hattest so eine rebellionsfreudige, einfach begeisternde Art“, und nicht zuletzt aus ganzem Herzen „vielen Dank, mein lieber Pfarrer“.
(Text: C. Braun / Kirchenkreis Aachen)
























