„Aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Dieses viel zitierte Sprichwort bemühte Dr. Swantje Eibach-Danzeglocke nicht. Mehr als 18 Jahre war sie Pfarrerin in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Aachen. Langweilig wurde es nicht, bis zum letzten Tag nicht. Doch es gibt Punkt im Leben, an denen die Weichen neu gestellt, die Karten neu gemischt werden.
„Wann geht die Alte endlich? Das will ich nicht hören“, sagte Swantje Eibach-Danzeglocke augenzwinkernd und fügte hinzu: „Mit 18 ziehen Leute öfter von zuhause aus!“ Am 8. Februar wurde die Pfarrerin in der ESG Aachen von Oberkirchenrätin Henrike Tetz entpflichtet.
„Danke für deinen offenen Blick und dein weites Herz“

Foto: Stephan Johnen
„Weite Räume“ war der Gottesdienst überschrieben – die andrang-bedingte Enge des Raumes an der Nizzaallee verdeutlichte eindrucksvoll die Nähe und Verbundenheit von Swantje Eibach-Danzeglocke zur ESG und den Studierenden.
Wechsel zur Aachener Kirchengemeinde
Eine berufliche Veränderung war schon länger angestrebt, ab Mitte März wechselt die 55-Jährige in eine Gemeindepfarrstelle an der Genezareth-Kirche im Westen der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen. „Ich kenne die Gemeinde gut, wohne dort, habe Kinder konfirmiert und viele Vertretungen dort gemacht. Es ist also nicht komplettes Neuland“, freut sich Swantje Eibach-Danzeglocke auf die neuen Aufgaben in der Genezareth-Kirche: „Wenn Gemeinde, dann diese!“

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Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke ließ ihre Jahre bei der ESG Revue passieren.
In den Fußstapfen der Eltern
Sich selbst bezeichnet die Pfarrerin als eine „echte alte ESGlerin“, die während ihres Theologie-Studiums in Bonn in der Evangelischen Studierendengemeinde Köln gelebt und die ESG als Sprecherin vertreten hat. Ihre Eltern hatten sich in der ESG Bonn kennen gelernt, ihr Vater war Pfarrer der ESG in Essen. Noch Fragen? „Es passte einfach“, erklärte Swantje Eibach-Danzeglocke lächelnd. Vor ihrer Bewerbung auf die Position in Aachen erhielt sie einige Hinweise, dass es angesichts der vielen Ingenieurinnen und Ingenieure, Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern schon etwas anders sei, wenn nicht sogar „schwierig“. „Ich hatte Mathe im Leistungskurs und stand fast selbst vor einem Mathematikstudium, die Herausforderung habe ich angenommen“, scherzte die Pfarrerin und betonte zugleich: „Die Bibel ist die gleiche, der Glaube auch.“ Dass Ingenieurinnen und Ingenieure in ihrer Denkweise meist sehr zielorientiert, direkt und klar sind und nicht erst über alles mindestens einmal reden (also theoretisieren) wollen, fand die Geisteswissenschaftlerin nicht schlimm. Im Gegenteil. Produktorientiert, mit klarer Zielsetzung und schnörkellos: Damit ließ sich auch seelsorgerisch arbeiten.
„Immer vielfältig, immer neu begeisterungsfähig“ – so beschreibt Swantje Eibach-Danzeglocke die Arbeit mit Studierenden in Aachen: „Es sind immer wieder neue Menschen, auf die ich mich einlasse, neu Erfahrungen, die wir gemeinsam machen, neue Ansätze, die eigene Arbeit zu hinterfragen.“ Die offene Diskussionskultur, der permanente Wechsel in der Studierendenschaft habe dazu beigetragen, sich selbst nie auf Erreichtem auszuruhen und geistig flexibel zu bleiben. Die „Voraussetzungslosigkeit der Teilnahme“ habe die ESG nicht nur für ausländische Studierende zu einer Heimat (auf Zeit) werden lassen.
Als Pfarrerin stand Swantje Eibach-Danzeglocke in den vergangenen Jahren auch für den Aufbau und die Vernetzung vieler neuer Gruppen und Initiativen in der ESG Aachen, darunter die Big Band, der Studentische Besuchsdienst und der Gottesdienst-Vorbereitungskreis. Ebenso waren ihr die enge Verknüpfung von Wohnheim und Gemeindearbeit sowie die Seelsorge ein wichtiges Anliegen. „Ein Studium ist heute viel herausfordernder als zu meiner Zeit. Die Studierenden sind oft jünger, müssen sich selbst und das Leben sortieren, parallel wird permanent Hochleistung erwartet.“ Die ESG bietet als Heimathafen eine Andockstation, Beratung und Lerngruppen, aber auch Freundschaft an. Studierende seien nun einmal mehr als Matrikelnummern und Notendurchschnitte.

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Der Posaunenchor der ESG unter Leitung von Jonathan Pasternack gestaltete den Gottesdienst musikalisch.
Zielorientiert und konstruktiv
Beinahe sah es so aus, als würde der Abschied von Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke von einer Krise überschattet. Die bereits erwähnte zielorientierte und konstruktive Herangehensweise der ESG-Mitglieder hat jedoch auch in der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Aachener Studierendengemeinde Früchte getragen. Angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und steigender Kosten stand eine Fortführung der bisherigen ESG und der beiden Studierendenwohnheime zunächst auf der Kippe. Das von den Aktiven der ESG auf der Landessynode vorgetragene Anliegen, eine studentische Gemeinde in Aachen zu erhalten, wurde erhört. „Der Ball liegt jetzt beim Kirchenkreis. Die Verantwortlichen kennen sich mittlerweile sehr gut und wollen gemeinsam etwas gestalten“, ist Swantje Eibach-Danzeglocke optimistisch, dass ein tragfähiges neues Konzept entwickelt werden kann.

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Oberkirchenrätin Henrike Tetz würdigte die Arbeit von Swantje Eibach-Danzeglocke.
Sich immer wieder auf den Weg begeben als Leitmotiv
„Die ESG Aachen ist ein kraftvolles geistliches Zentrum. Sie haben mit Ihrer Tätigkeit das Leben der ESG Aachen entscheiden mitgeprägt“, bedankte sich Oberkirchenrätin Henrike Tetz. Generationen von Studierenden hätten bei der ESG prägende und wertvolle Lebenserfahrungen gemacht, sich auf einen wahrhaftigen Austausch untereinander eingelassen und seien miteinander auf eine gemeinsame Suche gegangen. „Sie haben beispielhaft gute Erfahrungen gesammelt, wie es gelingt, Abschied von Dingen zu nehmen, die in ihrer Zeit gut und wichtig waren und sich immer wieder auf den Weg zu begeben, mit allen Chancen und Zumutungen“, ging Henrike Tetz auf den Transformationsprozess in Kirche ein.

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Pfarrer Jens-Peter Bentzin dankte als Vorsitzender des ESG-Beirates für die Arbeit.
Offener Blick und weites Herz
Dem schloss sich Pfarrer Jens-Peter Bentzin als Vorsitzender des ESG-Beirates an: „Ich sage heute danke. Ausdrücklich und dick unterstrichen. Danke für deine Art, hier in der ESG Gemeinschaft zu gestalten, deine Fähigkeit, Menschen über Grenzen hinweg zu vernetzen. Danke für deinen offenen Blick und dein weites Herz. Du hast Brücken gebaut, wo vorher Lücken waren“.
In ungezählten, mitunter sehr persönlichen Grußworten wurde immer wieder der Einsatz, die Beharrlichkeit, aber auch die Fähigkeit zum Dialog sowie Vertrauen und Verlässlichkeit hervorgehoben. „Es war eine sehr schöne Zeit, die auch Höhen und Tiefen hatte, aber von einem verbindlichen Miteinander geprägt war“, bedankte sich Studentin Clara Josepha Minderjahn. „Alle Sitzungen mit Ihnen waren außerordentlich effektiv, sehr gut vorbereitet und strukturiert und außerordentlich gut moderiert“, zollte Professor Dr.-Ing. Michael Wulf der Vorsitzenden für die Zusammenarbeit im Verwaltungsrat des Studierendenwerks Respekt. Er zeigte sich überzeugt: „Die neue Gemeinde wird von Ihrer Art, von Klarheit und Empathie profitieren.“
Zusammenarbeit soll weitergehen
In ihrer neuen Aufgabe will Swantje Eibach-Danzeglocke auch weiterhin „grenzüberschreitend“ arbeiten, den Außenblick nicht aufgeben. „Die ESG war nicht abgeschirmt vom sonstigen kirchlichen Leben in Aachen, wir haben viel mit Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet und voneinander profitiert. Das Pfund meiner neuen Gemeinde sind die Vielfalt und die vielen aktiven Ehrenamtlichen. Wir können an bestehende Netzwerke anknüpfen“, betonte Swantje Eibach-Danzeglocke. Die wichtigste Aufgabe sei es aber zunächst, die Menschen in der Gemeinde kennen zu lernen, zu schauen, welche Angebote und Initiativen es gibt und wie gemeinsam Zukunft gestaltet werden kann.
Text: Stephan Johnen



