Evangelische Kirchengemeinde Aachen

Abschied und Neuanfang im Offenen Zentrum „P4“ in Aachen

Annette Abt geht nach 26 Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit in den Ruhestand – Nachfolgerin Johanna Windrich setzt Schwerpunkte bei Outdoor-Arbeit und Kreativem

Wenn Annette Abt an ihre Arbeit zurückdenkt, fallen ihr vor allem zwei besondere Projekte ein: Die großen Sommerferienspiele, viele Jahre ein Highlight in der OT Gut Kullen, und das „Gaia“-Projekt der Umweltfachgruppe, bei dem die selbst aufgenommene CD sogar einen Preis gewann. Heute heißt die OT „P4 - Offenes Zentrum für Junge Menschen“ und bietet für Kinder und Jugendliche digitale Möglichkeiten, die in der Region einzigartig sind. Doch vieles ist auch gleich geblieben am Philipp-Neri-Weg 4 ganz im Aachener Westen. „Die klassischen Sachen vom Jugendtreff laufen heute immer noch“, lacht Annette Abt. „Tischkicker, Billard, Tischtennis mit Rundlauf. Klar sind die noch da! Es ist nur alles Digitale hinzugekommen.“ Und so gibt es heute auch Räume und Ausstattung für Coding, Robotik und 3D-Druck, Lasergravur, CAD-Design und Spiele mit VR-Brillen. 

Besonderes Engagement für den Umweltschutz

Als Annette Abt im Jahr 2000 in der OT anfing, waren die Ferienspiele so beliebt, dass die 80 Plätze immer ausgebucht waren – „und noch 40 Kinder auf der Warteliste“, wie sie hinzufügt. „Wilder Westen“ oder „Mit Volldampf in die Steinzeit“ hießen damals Themen, an die sie sich noch gut erinnert. Mit der Umweltfachgruppe setzte sie sich dann aktiv ab 2007 für den Umweltschutz ein, sammelte zum Beispiel mit den Kindern Müll und besichtigte Windräder, gestaltete zu Weihnachten umweltfreundliche Verpackungen und nahm schließlich im Tonstudio den Umweltsong „Erdenkind“ auf. Auftritte mit der Gruppe führten sie nicht nur auf den Aachener Weihnachtsmarkt, sondern spielten auch Spenden ein, die kranken Kindern und ihren Familien zugutekamen. 

Im "P4" chillen, spielen, lernen, quatschen, musizieren oder Sport machen

Zuletzt legte Annette Abt ihren Schwerpunkt dann mehr auf die individuelle Arbeit mit den Besuchenden des „P4“, nahm sich Zeit, intensiv und in Ruhe auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen einzugehen und sich mit ihnen über die Themen zu unterhalten, die die jungen Menschen beschäftigen. „Das sind Schule und Freunde, Familie, aber auch Krieg“, sagt Annette Abt. Die Erzieherin und Sozial-Managerin erlebt in ihrer Arbeit immer wieder Familien, in denen Eltern beruflich stark eingespannt, alleinerziehend oder mit der Bewältigung von Problemen überfordert sind. „Es gibt natürlich auch viele tolle, funktionierende Familien“, sagt sie, „aber das ist nicht überall so.“ Das „P4“ steht allen jungen Menschen im Alter zwischen 6 und 26 Jahren offen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, ihrer Religion oder ihrem Wohnort. Täglich kommen etwa 30 bis 40 Besuchende in die OT. Dort können sie spielen oder chillen, erhalten ein wechselndes Angebot an Snacks und Getränken, es gibt ganz verschiedene kreative, sportliche, kulturelle und technische Aktivitäten. 

Nachfolgerin Johanna Windrich hat im August begonnen

Getragen wird die Einrichtung von der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen. „Nach Corona hatten wir ein bisschen eine Durststrecke, weil die Kinder uns aus den Augen verloren hatten, aber inzwischen hat es sich wieder rumgesprochen, dass man zu uns kommen kann, und was es hier alles gibt. Das Haus wird gut angenommen“, freut sich Annette Abt. Ihrer offiziellen Abschiedsfeier am Freitag, 25. September, sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen. Mit Wehmut muss sie sich nun vom „besten Team ever“ verabschieden, wie sie sagt. Aber natürlich freut sie sich auch auf die neue Freiheit: Mittelmeerländer bereisen, wieder mehr Trompete spielen und spontan einfach etwas unternehmen, das kann sie nach der letzten Arbeitswoche Anfang Oktober. Ihrer Nachfolgerin, Johanna Windrich, wünscht sie „eine befriedigende, aufregende, spannende Zeit, mit ganz vielen lieben Menschen und nur Problemen, die man alle bewältigen kann.“

Mit neuem Lastenfahrrad im Quartier mobil

Mit Johanna Windrich steht nun eine Erzieherin in den Startlöchern, die ihre Schwerpunkte in den Bereichen Kreatives und Outdoor-Aktivitäten sieht und sich schon seit August in ihre neue Stelle einarbeitet. Dabei ist sie im „P4“ durchaus kein unbekanntes Gesicht, denn schon seit mehreren Jahren war sie hier als Ehrenamtliche aktiv und hatte auch ein Praktikum absolviert. Ein ganz neues Projekt, an dem sie nun mitwirkt, ist ein mobiles Lastenfahrrad, mit dem das „P4“ ins Quartier hineingehen und dort präsenter sein will, wo junge Leute sich aufhalten. Dafür hat es eine „Lounge“-Ausstattung an Bord, Internet-Empfang, Spiele, Kreativ-Angebote, Verpflegung und sogar eine Licht-Insel für die dunklere Jahreszeit. „Wir wollen immer ansprechbar sein, in der OT wie auch draußen“, sagt Johanna Windrich. „Wir bauen Vertrauen auf, hören zu und werden dann auch oft auf sehr persönliche Themen angesprochen. Für uns ist es ganz wichtig da zu sein, wenn Kinder und Jugendliche ein Anliegen haben.“

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