Dramatische Warnungen waren und sind seit einiger Zeit zu hören, da viele Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft nicht mehr finanziert werden können. Viele Träger in Nordrhein-Westfalen müssen ihre Einrichtungen aufgeben, da sie sich den Betrieb nicht mehr leisten können. In den Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Aachen ist diese Gefahr jetzt abgewendet. Dank der Zusammenarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Aachen mit dem Evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen ist die Zukunft der sechs Kitas in evangelischer Trägerschaft gesichert. Zwei Aachener Einrichtungen – die Kita Wichernstraße und die Kita Am Kupferofen – waren bereits zum August 2025 zum neuen Träger gewechselt. Die weiteren vier evangelischen Familienzentren, das Familienzentrum Engelhaus in Baesweiler, das Familienzentrum Merkstein in Herzogenrath, das Familienzentrum „Kinderhaus Bergstraße“ in Stolberg und das Familienzentrum „Sonne, Mond und Sterne“ in Würselen, folgen zum Beginn des neuen Kitajahres am 1. August 2026.
Trägerwechsel: Evangelische Kitas bleiben „in der Familie“

(Foto: C. Braun)
Die Kinder ließen sich vom Pressetermin am Mittwochmorgen in ihrer Kita nicht stören und werden auch vom Trägerwechsel im Alltag nichts merken.
Hohe Anforderungen und knappe Finanzierung
„Wir haben zusammen eine Lösung gefunden, die tatsächlich für alle Beteiligten nur Vorteile hat“, freut sich die Superintendentin Pfarrerin Verena Jantzen. Im Familienzentrum „Kinderhaus Bergstraße“ in Stolberg stellte sie gemeinsam mit Martin Schmidt, Verwaltungsleiter des Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen und Geschäftsführer des Zentrums Evangelische Kindertagesstätten (ZEK), das neue Modell vor. Die Trägerschaft für Kindertagesstätten stellt hohe Anforderungen mit vielen Pflichten an die Betreiber, denen eine nur knappe Finanzierung nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) gegenübersteht. Für einzelne Kirchengemeinden, die vielleicht nur über eine oder zwei Kitas verfügen, ist dies immer schwieriger erfüllbar. Eine gebündelte Trägerschaft mit einheitlicher Verwaltung einer größeren Zahl von Kitas bietet die Chance, mit knappen Mitteln trotzdem auskömmlich zu wirtschaften.

(Foto: C. Braun)
Das Außengelände des Familienzentrums „Kinderhaus Bergstraße“ in Stolberg ist wunderschön gelegen und bietet viel Platz zum Spielen und Toben. Das Kinderhaus Bergstraße ist die einzige evangelische Kita in Stolberg.
Sechs evangelische Einrichtungen mit mehr als 300 Kita-Plätzen
Nach dem Vertrag zwischen den Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Aachen und dem „Zentrum evangelische Kindertagesstätten“ (ZEK) des Kirchenkreises Krefeld-Viersen ist jetzt vereinbart: ZEK übernimmt als Träger die evangelischen Kitas aus den Gemeinden im Kirchenkreis Aachen. Mit einer modernen und auf die Bedingungen des KiBiz ausgerichteten Verwaltung betreibt es die Finanzen und Dienstleistungen für dann insgesamt 26 Kitas. Gleichzeitig bleiben die Kirchengemeinden Eigentümer der Kita-Immobilien. Die bisherige Kita-Fachberatung des Kirchenkreises Aachen, Simone Wehr, wird als neue Regionalleitung von ZEK übernommen, so dass ein enger Kontakt zwischen den Kirchengemeinden und ZEK bestehen bleibt. Die religionspädagogische Arbeit ist weiterhin in der Zuständigkeit der Kirchengemeinden. Die sechs Einrichtungen in der Region Aachen, die nach dem Übergang von ZEK getragen werden, verfügen über insgesamt 21 Kita-Gruppen mit aktuell 329 Kindern und beschäftigen 89 Mitarbeitende.

(Foto: C. Braun)
Manche der Kita-Kinder sind schon "groß" und gehen bald zur Schule.
Im Alltag keine Veränderung für Kinder und Familien
Das Wichtigste dabei: Für Kinder, Eltern und Mitarbeitende ist im Alltag keine Veränderung spürbar. Die Mitarbeitenden werden weiterhin im tariflichen Rahmen der Evangelischen Kirche im Rheinland entlohnt. Oder, wie es Superintendentin Jantzen ausdrückt: „Die evangelischen Kitas bleiben in der Familie. Nur die Verwaltung ändert sich und geschieht bald in Krefeld, statt in Aachen. Die gesamte pädagogische Arbeit und das Konzept innerhalb der Kitas bleiben bestehen, ebenso das Personal und die gewohnten Abläufe für die Familien. Die Kita-Mitarbeitenden können sich mehr um ihr pädagogisches Kerngeschäft kümmern und werden von Verwaltungsarbeit entlastet.“

Vor dem "Elterncafé" liegen Materialien in Griffhöhe der Kinder bereit.
Eine Win-Win-Lösung für alle
Verwaltungsaufgaben sind zum Beispiel Kita-Haushalt und Abrechnungen, Verwendungsnachweise und Personalplanung, Beantragung von Zuschüssen, Angelegenheiten der Betriebserlaubnis und Bewirtschaftung der KiBiz-Rücklagen. All dies stemmen in Zukunft die Expertinnen von ZEK in Krefeld. Die Verwaltungskräfte in Aachen, die sich bisher um bestimmte dieser Tätigkeiten gekümmert haben, erhalten andere Aufgaben innerhalb der Verwaltung des Kirchenkreises. Besonders freut die erfolgreiche Entwicklung im Kirchenkreis Aachen die ehrenamtliche Vorsitzende des Kita-Ausschusses, Claudia Immendorf. Unermüdlich hatte sie in den vergangenen zwei Jahren Verhandlungen mit verschiedenen in Frage kommenden Trägern geführt, um die beste Lösung für die evangelischen Kitas zu finden. „Die zunehmend größer werdende Belastung der Träger hinsichtlich der finanziellen, fachlichen und personalführenden Aufgaben liegt nun nicht mehr bei unseren Kirchengemeinden, sondern in den Händen eines Teams, das mit viel Expertise und Knowhow gerade für die Bedingungen des neuen KiBiz das Beste für unsere Einrichtungen und unsere Familien herausholen“, sagt sie. „Davon profitieren Kinder, Eltern, Mitarbeitende und die Kirchengemeinden – eine Win-Win-Lösung für alle.“
