Selig sind, die da Leid tragen

Ein deutsches Requiem

Oratorium für Chor und Orchester

am 23. März in der Auferstehungskirche

Mit den Worten aus dem Matthäusevangelium leitet Johannes Brahms sein Werk ein und macht damit gleich seine Intention deutlich. Keine Trauermusik, keine Totenmesse im herkömmlichen Sinn wollte er schreiben. Sein Requiem soll den Hinterbliebenen und den Leid tragenden Trost spenden und Hoffnung machen. Es ist eine Musik von Ernst und Würde, aber insbesondere von großer Zuversicht.

 


Einführung Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem

Ein Requiem, das keines ist.

Mit einem Zusatz: deutsch.

Johannes Brahms gibt diesen Titelseinem bekanntesten Werk, welches bereits im ersten Jahrzehnt nach der Uraufführung über50 Mal aufgeführt wurde.

Obwohl: Uraufführung? Selbst diese vermeintlich einfache Frage ist bei diesem Werk nicht so einfach zu beantworten.

Sicher ist: Heute gehört das'Brahms-Requiem' zu den meistaufgeführten Werken in der abendländischen Musiktraditionund es ist auch in den Statistiken der Einspielungen führend.

Wie kann man sich einem Werknähern, das sich gegen jede Kategorisierung sperrt und seit über hundert Jahren Zuhörer, Rezensenten und Wissenschaftler fasziniert, begeistert und zum Nachdenken anregt?

Aber das deutsche Requiem von Johannes Brahms ist nicht nur ein Phänomen, welches die Mengen begeistert und Rekorde aufstellt. Es ist auch eine vielschichtige Komposition, die unmittelbar anzusprechen und zu trösten vermag.

Mirijam Beier, 13.3.2013


Konzert

  • Samstag, 23. März 2013, 19.30 Uhr, Auferstehungskirche

Ein deutsches Requiem

Oratorium für Chor und Orchester

Johannes Brahms (* 1833 in Hamburg; † 1897 in Wien)

Das Lesen der Schrift

Vier Stücke für Orchester, Wolfgang Rihm (*1952 in Karlsruhe)

 

Evangelische Kantorei Aachen Süd-West

Sopran: Mine Yücel (Köln)

Bariton: Sang-Wook Bang (Köln)

Neues Rheinisches Kammerorchester Köln

Leitung: Elmar Sauer



Ein deutsches Requiem

Am 10. April 1868 wurde die Komposition in ihrer ersten Fassung unter dem Dirigat von Johannes Brahms im Dom zu Bremen von der Bremer Singakademie mit 200 Sängerinnen und Sängern und großem Orchester erfolgreich uraufgeführt.

Das deutsche Requiem, so wie wir es heute kennen, kam erstmals ein Jahr später im Leipziger Gewandhaus zur Aufführung. Bereits in den folgenden 10 Jahren wurde es in mehr als 100 weiteren Konzertveranstaltungen in ganz Europa einem breiten Publikum bekannt gemacht.

Mit dem großen Erfolg des deutschen Requiems festigte Brahms schließlich seinen Ruf als Komponist von hohem Rang.

Das Lesen der Schrift

Wolfgang Rihms vier Orchesterstücke werden mit den Sätzen des Brahmschen Requiems verknüpft. Rihms Klangstrukturen bereichern die Musik aus der alten Zeit. Verläufe aus Brahms Requiem werden von Rihm zu neuen Klangmustern umgesetzt.

So kann das Gehörte nachwirken. Diese Ergänzung stellt eine besondere Würdigung des großen Werkes dar.

 


Johannes Brahms trifft Wolfgang Rihm

Erstaufführung: „Das Lesen der Schrift“ (Wolfgang Rihm) in Aachen

Am Vorabend zum Palmsonntag 2013 brachte Kreiskantor Elmar Sauer "Ein deutsches Requiem" (Brahms) und "Das Lesen der Schrift" (Rihm) in einer ganz besonderen Aufführung mit der Evangelischen Kantorei Aachen Süd-West und dem Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln in der Auferstehungskirche zu Gehör. Dabei wurden - dem Wunsch des zeitgenössischen Komponisten Rihm folgend -dessen vier Instrumentalsätze in das fast 150 Jahre alte Chor- und -Orchesterwerk von Brahms integriert.

Diese vier langsamen, behutsamen Einschübe mögen von vielen Zuhörern und Ausführenden nicht nur als nicht störend, sondern als Bereicherung und Vertiefung des großen, anspruchsvollen Brahms-Oratoriums empfunden worden sein. Rihms Sätze gaben dem Zuhörer Gelegenheit, Brahms' Anliegen meditativ nachzuempfinden, nämlich Angst und Trauer durch tiefe musikalische Ausdrucksfähigkeit in Trost und Zuversicht zu verwandeln. Brahms' Intensität derEmpfindungen schien durch Rihms Elemente gesteigert. Die Übergänge zwischen zwei so unterschiedlichen Werken gelangen nicht zuletzt durch das zuverlässig-exakte Dirigat Elmar Sauers, der die Klarheit beider Kompositionen kenntnisreich herausarbeitete. Es konnte der Eindruck eines in sich geschlossenen Werkes entstehen, das durch seine emotionale Kraft bewegte. Dazu trug ganz erheblich das Neue Rheinische Kammerorchester Köln mit seinen hervorragendenHolzbläsern bei.

Das monumentale siebensätzige Brahms-Requiem weist dem Chor eine zentrale Rolle zu. Sie wurde von der Evangelischen Kantorei durch saubere Intonation, klare Textverständlichkeit und eine sehr differenzierte und nuancierte Wiedergabe deranspruchsvollen, z.T. hochdramatischen Chorpartien engagiert wahrgenommen. Chor und Orchester folgten mit unbedingtem Ausdruckswillen der wohlüberlegten,überzeugenden Interpretation des musikalischen Leiters Elmar Sauer.

Der junge Bariton-Solist Sang-Wook Bang präsentierte sich als ausdrucksstarker,eindringlicher Interpret, der die Solo-Passagen vom grübelnden "Herr, lehre doch mich" bis zum prophetischen "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis" dynamisch und spannungsgeladen vortrug.

Die junge Sopran-Solistin Mine Yücel schwebte mit ihrer klangschönen Stimme über dem Chor und traf ganz ausgezeichnet den zuversichtlichen, tröstenden Ton, den Brahms in jedem seiner sieben Sätze immer wieder in den Mittelpunkt rückt.

Die Zuhörer in der gut besuchten Auferstehungskirche zeigten sich zutiefst beeindruckt und applaudierten nach einem Moment der Stille lange.

Ein Gottesdienst und Konzertabend zugleich, der in Erinnerung bleiben dürfte!


Passionsandachten, Gesprächsabende, Predigtreihe