20.10.2017

Das war die Nacht der offenen Kirchen in der Auferstehungskirche

Jamshid spielt auf seiner persischen Setar. (Bild: Kathrin Albrecht)

Ein buntes Programm in der Nacht der Offenen Kirchen liegt hinter uns. Der Schülerzirkus Configuranie beeindruckte mit seinem Programm "Mary Poppins" und dem anschließenden Mitmachprogramm, das Jung und  Alt, behinderte und nichtbehinderte Menschen im fröhlichen Ausprobieren vereinte.

Unter dem Titel Woanders.Unterwegs schloss sich ein Konzert- und Begegnungsabend mit jungen Künstlern an, der einen weiten Horizont öffnete: "School and the Gang", die Schülerband der Hauptschule Burtscheid unter der Leitung von Moses Christoph beeindruckte das Publikum ebenso wie der kurdische Musiker Jamshid, die poetry slammerin Carolin aus Stolberg und die Sololieder von Moses Christoph. Besonders berührend war der Text von Naeem, den er extra für diesen Abend geschrieben hatte. Naeem stammt aus Afghanistan und ist 20 Jahre alt, seit 5 Jahren lebt er in Deutschland. Wir dokumentieren seinen Text an dieser Stelle.

 Meine Flucht hat mich zu einem Träumer und Romantiker gemacht, Romantiker des Friedens.

Einige sehen in mir ein Jammerlappen, der vieles kritisiert und undankbar ist.

Ich bin aber zufrieden und dankbar. Ich sehe aber trotzdem das Bedürfnis etwas zu verändern.

Deswegen betrachte ich die Welt aus zwei Sichten:

Aus der Sicht des Protagonisten, der das alles durchgemacht hat und aus der Sicht des Betrachters, der alles hinter sich hat und nur beobachtet was vor sich geht.

Der Protagonist in mir kennt keine politische Korrektheit und nimmt kein Blatt vor den Mund, er sieht vieles pessimistisch. Er sorgt sich um die 65 Millionen Flüchtling weltweit, die dem gleichen Schicksal ausgeliefert sind wie ich selbst es vor Jahren war. Er spürt tagtäglich das Leid anderer Menschen, was ihnen im Krieg und auf der Flucht widerfährt. Er sieht das Dilemma der Menschen, zu entscheiden müssen im Krieg zu sterben oder auf der Flucht im Meer zu ertrinken. Er hat vor sich die verzweifelten und enttäuschten Gesichter.

Der Betrachter in mir ist sehr besonnen und sieht vieles optimistisch. Er sieht eine bunte und gewaltfreie Zukunft für die Menschheitsfamilie. Er sieht in Menschen keine Bedrohung, sondern Vielfalt und Bereicherung. Er sieht in der Menschheit nicht nur Täter und Opfer, nicht nur Zahlen und Statistiken, sondern die einzelnen Schicksale und Geschichten.

Trotz Optimismus des Betrachters ist der Protagonist in mir meistens dominant und beschreibt die gegenwärtige Situation wie folgt:

Als Geflüchtete gelten wir als Vaterlandsverräter oder als Kulturüberfremder. Manche machen uns für den Rechtsruck in Europa verantwortlich, manche sehen uns unzivilisiert und unkultiviert. Wir sind das neue Geschäftsmodell – die einen nehmen uns alles und bringen uns nach Europa, die anderen schlagen aus uns politisches Kapital. Wir fliehen von Unruhe und sorgen jedoch, da wo wir ankommen für neue ungewollte politische Unruhe. Wir sind politischer Spielball geworden. Uns bezeichnet man als Lawine, Krise und Stromer.
Aber ich sage: Nein!
Wir sind vielmehr als das. Wir sind die Überbringer der Botschaft des Friedens.
Die lautet, dass Waffenexporte in unserer globalisierten Welt nicht für Frieden sorgen können.
Unsere Botschaft macht darauf aufmerksam, dass wir es uns nicht leisten können, das weiter zu vererben, was wir von unseren Vorfahren vererbt bekommen haben: nämlich Kolonialisierung und Imperialisierung.

Lasst euch mit uns mit träumen – von einer Welt, in der es keinen Hass und keine Verachtung gibt, in der Menschen sich gegenseitig akzeptieren und tolerieren, egal welche Hautfarbe sie haben und welcher Religion sie angehören. Träumen von einer Welt in der nicht nur das Kapital und der Profit das Sagen haben, sondern Moral und Menschlichkeit.

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