Evangelische Kirchengemeinde Aachen

„Die Glocken läuten nur für uns“

„Einfach heiraten“ in Aachen: Zehn Paare feiern ihre Liebe – Aktionstag in der Annakirche locker, aber würdevoll und intensiv

„Der Termin heute war einfach wie für uns gemacht“, strahlt Irene Walendzik. „Dass Gott bei uns ist, wussten wir immer schon, aber wir wollten doch noch mal in diesem Rahmen eine kirchliche Hochzeit.“ Frisch getraut steht die Aachenerin mit ihrem Mann Martin für ein Hochzeits-Foto unter dem „Blumenbogen“ im festlich geschmückten Innenhof der Annakirche. Ein großer Magnolienbaum spendet dort Schatten, dennoch zeigt das Thermometer an der Kirchenwand 38 Grad an. Trotz der Hitze kamen am Aktionstag „einfach heiraten“ mit dem Schnapszahldatum 26.06.26 viele Paare in die Annakirche, um sich kirchlich trauen oder segnen zu lassen. „An diesem Tag wäre es passend gewesen, wenn es 26 Grad gewesen wären“, scherzt Martin Walendzik, „aber es war sehr schön – wir nehmen es auch so!“

Resi und Wolfgang Rehm unter dem Blumenbogen, festlich gekleidet, sie mit rotem Brautstrauß.

Resi und Wolfgang Rehm sind schon seit 47 Jahren zusammen und seit 41 Jahren verheiratet. "Mich hat zutiefst beeindruckt, wie sehr Ihre Liebe Sie trägt und verbindet", sagte Pfarrer Martin Obrikat zur Segnung des Paares.

Gudrun und Günter Baumanns sitzen auf Stühlen vor dem Altar, Pfarrer Drack in Albe vor ihnen stehend

Als erstes Paar an diesem Tag waren kurzentschlossen Gudrun und Günter Baumanns zu einer Segnung in die Annakirche gekommen.

Paar hält Hände, Pfarrer Schumacher steht davor mit seiner Hand auf ihren

Kirsten und Hubert wurden von Pfarrer Erik Schumacher getraut. Das Paar war bewusst ohne Gäste erschienen und sagte: "Wir machen das heute nur für uns."

Sieben Pfarrpersonen standen über den Tag zur Verfügung

Schon vor zehn Jahren hatten Irene und Martin Walendzik standesamtlich geheiratet. Gottes Segen für ihre Ehe wünschten sie sich schon länger und hatten immer wieder einmal darüber gesprochen, doch es ergab sich nie, und eine „traditionelle“ kirchliche Trauung kam nicht in Frage, wie Irene Walendzik erzählt. „Jetzt mit diesem Konzept und unserer Wunsch-Pfarrerin war es aber ideal.“ Pfarrerin Bettina Donath-Kreß, die die Walendziks in der Annakirche traute, war an diesem Tag eine von sieben Pfarrpersonen, die an der Aktion in Aachen mitwirkten. Zur Verfügung standen der Kirchraum der Annakirche und der Innenhof, so dass für Paare mit Anmeldung als auch Kurzentschlossene genug Kapazitäten vorhanden waren. 

Zahl kirchlicher Trauungen stark zurückgegangen

Noch am Morgen hatte der „Hausherr“, Pfarrer Armin Drack, nicht gewusst, was auf ihn zukommen würde. Dennoch gab er sich entspannt. „Es ist nicht meine erste Trauung“, sagte er. „Die Vorbereitung darauf ist für mich wie sonst auch.“ Etwa 35 Trauungen finden pro Jahr in der Annakirche statt, davon leitet er selbst etwa sechs, sagt Drack. „Vor Corona“ seien es noch 20 pro Jahr gewesen, aber seitdem sei die Zahl der kirchlichen Trauungen stark zurückgegangen. Dabei ist die Annakirche die am stärksten gefragte evangelische „Hochzeitskirche“ in Aachen. Mit ihrer hellen, klassischen Architektur und der guten Lage in der Aachener Innenstadt spricht sie viele Paare an, und auch Pfarrer Armin Drack selbst weiß das stilvolle Gebäude zu schätzen. Von Trauungen in der Kneipe oder am Badesee, wie sie an diesem Tag an vielen anderen Orten bei „einfach heiraten“ stattfinden, hält er persönlich nicht viel: „Mir würde die Ästhetik dabei fehlen. Der Pfiff an der kirchlichen Hochzeit ist doch gerade der feierliche Rahmen.“

Segnung war sehr aufregend und berührend

Dass es den Organisierenden gelungen war, diesen festlichen Rahmen zu schaffen und gleichzeitig das niederschwellige Konzept des Aktionstages umzusetzen, bestätigten alle, die am Freitag vor den Altar traten. Direkt als erste am Morgen waren Gudrun und Günter Baumanns in die Annakirche gekommen – ganz spontan, ohne Anmeldung. An ihrem 13. Hochzeitstag der standesamtlichen Hochzeit passte es einfach. „Wir sind im Moment im Umbau und wohnen eigentlich auf der Baustelle, aber dann haben wir gesagt, wir fahren jetzt einfach mal in die Stadt“, erzählt Günter Baumanns. „Der Segen für die nächsten Jahre war uns wichtig.“ Als zweites Paar betreten Resi und Wolfgang Rehm die Annakirche, mit Einzug zum Hochzeitsmarsch, den Annakantor Georg Hage auf der Orgel spielt. Seit 41 Jahren sind die beiden verheiratet. „Ich hatte mir das heute lockerer vorgestellt, aber es war dann doch sehr aufregend und hat mich sehr berührt“, sagt Resi Rehm nach der Segnung. „Besonders schön finde ich, dass auch unsere Familie dabei ist. Ich bin jetzt total glücklich.“

"einfach heiraten" ohne viel Tamtam

Auch die anderen Paare, die nach ihrem Termin noch gerne mit einem Getränk im Innenhof verweilen, sind von der Aktion begeistert. „Es war so feierlich, so intensiv, einfach wunderschön“, freut sich eine Braut. „Als dann die Glocken anfingen zu läuten, und ich wusste, die Glocken läuten nur für uns – da war ich ganz überwältigt.“ Und eine andere erzählt: „Wir wollten kein Tamtam für unsere kirchliche Hochzeit. Es war so schön, so besonders – ich hätte es viel weniger genießen können, wenn es groß aufgezogen gewesen wäre.“

Individuelle Zeremonien trotz schneller Abfolge

Über den guten Erfolg des Tages freuten sich nicht nur die Paare und die Veranstaltenden, sondern auch der oberste Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), der zu dieser Aktion von Düsseldorf nach Aachen gekommen war. Präses Thorsten Latzel segnete am Nachmittag selbst zwei Paare. Alle Menschen, die er an diesem Tag gesehen hatte, seien sehr froh über das Angebot gewesen, sagte auch er. Aus kirchlicher Sicht zeige sich, dass es möglich sei, auch in so einer relativ schnellen Abfolge Trauungen und Segnungen durchzuführen, die persönlich zugewandt sind und die Menschen mit ihren bunten Lebensgeschichten und in ihrer Individualität ansprechen. „Die Texte und Rituale funktionieren auch dafür – das ist ein Schatz unserer Kirche“, sagte er. 

Auf diesem Tag lag Gottes Segen

Am Ende des Tages zieht Pfarrer Drack Bilanz. Sechs Trauungen und vier Segnungen wurden durchgeführt, davon zwei spontan. „Auf diesem Tag lag wirklich Gottes Segen“, sagt er. „Es war für die Paare und für uns ein erfüllender Tag.“ Dass „einfach heiraten“ wieder angeboten wird, vielleicht sogar schon nächstes Jahr, kann er sich gut vorstellen. „Für die Menschen war es einfach unglaublich schön und wichtig“, meint Drack. „Und wir haben unseren Grundauftrag als Kirche erfüllt: Gottes Wort und Segen weiterzutragen. Die Leute wollten das heute.“

(Text: Ev. Kirchenkreis Aachen / C. Braun)

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