Evangelische Kirchengemeinde Aachen

„Bin sehr zufrieden und dankbar“

Pfarrer Hans Christian Johnsen geht in den Ruhestand - Abschied und Entpflichtung am Samstag, 6. Juni, um 15 Uhr in der Versöhnungskirche

Als Hans Christian Johnsen 1979, mit 18 Jahren, vom Kirchentag Nürnberg zurück in seine Heimatstadt Wesel kam, voller Eindrücke von einem sehr friedensbewegten und politisch geprägten Kirchentag, wollte er mit seinen Freunden selbst Gottesdienste gestalten: „Es sollten natürlich Gottesdienste in neuer Gestalt sein – ohne Pfarrer!“, erinnert er sich und schmunzelt: Aus diesem Freundeskreis sind später sechs Pfarrerinnen und Pfarrer hervorgegangen.

Er kommt nicht aus einem religiös geprägten Umfeld: Sein Vater handelte mit Gemüsezwiebeln, während seine Mutter den Haushalt führte. „Wir wurden von Pfarrer Hilmar Pardey sehr geprägt, der mich konfirmiert hat.“ Pardey gehörte während des Dritten Reichs zur „Bekennenden Kirche“, die in Opposition zu den nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ stand. Johnsen half beim Kindergottesdienst und engagierte sich in der Jugendarbeit. Das Schulfach Religion hingegen wählte er ab: „Das war mir zu langweilig.“ Am Berufswunsch Pfarrer änderte es nichts. Nach dem Abitur 1980 schrieb er sich in der Kirchlichen Hochschule in Bielefeld ein – trotz befürchteter Pfarrer*innen-Schwemme.

Begleitung von Umbruch und Wandel

Nach Stationen in Heidelberg und Bonn absolvierte er zunächst sein Vikariat in Duisburg-Wanheimerort, mitten in einer Zeit der Arbeitskämpfe bei ThyssenKrupp zum Ende der 80er Jahre. „Eine spannende Zeit, mit vielen Diskussionen um soziale Fragen“, erinnert sich Johnsen. Über Kontakte zur Kindernothilfe erhielt er 1989 die Zusage für ein Sondervikariat bei der Methodistischen Kirche in Südafrika, ebenfalls in einer Zeit des Umbruchs: De Klerk war neuer Staatspräsident und leitete Reformen ein, begann Gespräche für Veränderungen, Nelson Mandela wurde aus dem Gefängnis entlassen. Johnsens Stelle war daran beteiligt, an der Überwindung von Rassismus in Kirche und Gesellschaft mitzuarbeiten.

Christlich-islamischer Dialog als Lebensthema

Als „Pastor im Sonderdienst“ arbeitete Johnsen in den 90er Jahren in einem Bergarbeiterviertel in Dinslaken-Lohberg, dort rückte der christlich-islamische Dialog stärker ins Zentrum seiner Arbeit. Er heiratete seine Frau Carola, und zwei ihrer vier Kinder wurden hier geboren. Schließlich zog die Familie nach Koblenz-Lützel um, von wo sich Johnsen 2005 um die Nachfolge von Pfarrer Hans Freyberger (1943–2012) in Eilendorf bewarb. Großes Thema der damals noch selbstständigen Kirchengemeinde war der mögliche Zusammenschluss mit der Kirchengemeinde Aachen. „Das Presbyterium wollte damals zwar mich, aber nicht die Fusion“, so Johnsen.

Vier Jahre dauerte der Prozess, der – aus Eilendorfer Perspektive – den „Aachenern“ einen Zugewinn an „Geld und kompetentem Personal“ bescherte. 21 Jahre hat Johnsen an der Eilendorfer Versöhnungskirche und im Bereich Nord gearbeitet; Ende Juni geht er in den Ruhestand. „Ich bin sehr zufrieden und dankbar, weil wir herausfordernde Zeiten gut bewältigt haben“, so Johnsen.

Zeitweise alleinige Verantwortung für drei Kirchen

Doch es gab auch schwere Schicksalsschläge: 2017 starb seine Frau nach schwerer Krankheit, 2021 starb Pfarrer Olaf Popien, sein Kollege an der Friedenskirche. 2022 ging Pfarrerin Silke Halfmann nach London – er war zunächst allein für die drei Gotteshäuser im Bereich Aachen-Nord zuständig.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war der interreligiöse Dialog. „Am Anfang bin ich durch das Ostviertel gefahren und habe einfach in der damaligen DITIB-Moschee an einer alten Tankstelle angehalten und gesagt: ‚Ich möchte euch kennenlernen.‘“ Ein Arbeitskreis wurde 2005 gegründet. „Ich fand das immer sehr wichtig, mit allen möglichen Menschen aus verschiedenen Lebenszusammenhängen zu sprechen“, sagt Johnsen.

Gemeindearbeit wird weitergehen

Vermissen wird er vor allem den Konfi-Unterricht und seine derzeitigen Kolleg*innen Astrid Brus und Jan Lübking. „Wir sind eine nette Truppe und machen viel Quatsch.“ Und fügt nachdenklich hinzu: „Man muss viel zusammen in einer Gemeinschaft machen, die trägt. Die Gemeindearbeit wird weitergehen, nur anders. Daher ist es gut, wenn ich jetzt gehe, damit sich etwas Neues entwickeln kann.“

Die Verabschiedung und Entpflichtung von Pfarrer Hans Christian Johnsen findet am Samstag, 6. Juni, um 15 Uhr in der Versöhnungskirche durch Superintendentin Verena Jantzen statt.

Text: Axel Costard

 

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