Als Hans Christian Johnsen 1979, mit 18 Jahren, vom Kirchentag Nürnberg zurück in seine Heimatstadt Wesel kam, voller Eindrücke von einem sehr friedensbewegten und politisch geprägten Kirchentag, wollte er mit seinen Freunden selbst Gottesdienste gestalten: „Es sollten natürlich Gottesdienste in neuer Gestalt sein – ohne Pfarrer!“, erinnert er sich und schmunzelt: Aus diesem Freundeskreis sind später sechs Pfarrerinnen und Pfarrer hervorgegangen.
Er kommt nicht aus einem religiös geprägten Umfeld: Sein Vater handelte mit Gemüsezwiebeln, während seine Mutter den Haushalt führte. „Wir wurden von Pfarrer Hilmar Pardey sehr geprägt, der mich konfirmiert hat.“ Pardey gehörte während des Dritten Reichs zur „Bekennenden Kirche“, die in Opposition zu den nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ stand. Johnsen half beim Kindergottesdienst und engagierte sich in der Jugendarbeit. Das Schulfach Religion hingegen wählte er ab: „Das war mir zu langweilig.“ Am Berufswunsch Pfarrer änderte es nichts. Nach dem Abitur 1980 schrieb er sich in der Kirchlichen Hochschule in Bielefeld ein – trotz befürchteter Pfarrer*innen-Schwemme.
Begleitung von Umbruch und Wandel
Nach Stationen in Heidelberg und Bonn absolvierte er zunächst sein Vikariat in Duisburg-Wanheimerort, mitten in einer Zeit der Arbeitskämpfe bei ThyssenKrupp zum Ende der 80er Jahre. „Eine spannende Zeit, mit vielen Diskussionen um soziale Fragen“, erinnert sich Johnsen. Über Kontakte zur Kindernothilfe erhielt er 1989 die Zusage für ein Sondervikariat bei der Methodistischen Kirche in Südafrika, ebenfalls in einer Zeit des Umbruchs: De Klerk war neuer Staatspräsident und leitete Reformen ein, begann Gespräche für Veränderungen, Nelson Mandela wurde aus dem Gefängnis entlassen. Johnsens Stelle war daran beteiligt, an der Überwindung von Rassismus in Kirche und Gesellschaft mitzuarbeiten.


