24.05.2022

Wie energieeffizient sind die Aachener Kirchengebäude?

Bereits überall wird zertifizierter Öko-Strom gekauft - Auch bei der Energieeffizienz gut aufgestellt

Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Auferstehungskirche. Foto: Ulrike Distelrath

Kirchengemeinden sollen bis spätestens 2027 entscheiden, welche ihrer Gebäude sie langfristig benötigen. Diese sollen dann bis 2035 „treibhausgasneutral ertüchtigt werden“. Dies hat die Synode der Evangelischen Landeskirche im Rheinland im Januar auf ihrer Tagung mit großer Mehrheit beschlossen.

Hintergrund sei der schnelle Anstieg der Erd­erwärmung und die Anstrengungen zur Reduktion von Treibhausgasen, die hinter den Zusagen des Pariser Klimaabkommens zurückbleiben, heißt es in dem Beschluss. Wörtlich: „Das grundrechtliche Prinzip, dass die Freiheit zukünftiger Generationen nicht durch heutige Unterlassungen elementar eingeschränkt werden darf, nimmt auch uns als Kirchen in die Pflicht.“ „Der Gebäudesektor hat eine Schlüsselfunktion auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität“, erklärte Dr. Johann Weusmann, Vizepräsident der Evangelischen Kirche im Rheinland, auf der Synode.

Zertifizierter Ökostrom

Kurzfristig sollen Kirchen ihre Heizungen nach landeskirchlichen Standards optimieren und beim Stromeinkauf auf zertifizierten Öko-Strom umstellen. „Alle Stromverträge der Kirchengemeinde berücksichtigen das bereits“, erklärt Baukirchmeister Harald K. Lange.

Auch bei der Energieeffizienz sieht er die Kirchengemeinde Aachen gut aufgestellt: „Wir tun im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten viel: Überall dort, wo wir substanziell an die Häuser rangehen, bringen wir sie auf den aktuellen rechtlichen und technischen Stand“, erläutert Lange. Ein Beispiel ist die Auferstehungskirche: „Wenn wir jetzt das Dach erneuern, soll die alte Photovoltaik-Anlage durch eine hocheffiziente, ertragreichere Anlage ersetzt werden“, so Lange. Auch ein Wohnhaus neben der Dreifaltigkeitskirche soll energetisch saniert werden.

Engpässe bei Personal und Material

Der Architekt plädiert für einen rationalen Umgang mit dem Thema: „Wenn eine historische Kirche  nur für den Gottesdienst am Sonntag geheizt werden muss, erübrigen sich viele Maßnahmen.“ Insgesamt sei die Diskussion um den richtigen Weg zur optimalen Nachhaltigkeit noch nicht zu einer abschließenden, allgemein gültigen Definition gekommen. So müsse z.B. auch die Wärmedämmung differenziert betrachtet werden. Denn auch das Material der Dämmung und seine Herstellung trage zur Klimaneutralität eines Gebäudes bei. „Wir diskutieren schon seit den 90er Jahren die ‚Graue Energie‘‚ die zur Errichtung eines Gebäudes notwendig und im Bestand gebunden ist“, sagt Lange.

Daher sei es selten umweltschonender, ein Gebäude abzureißen und anschließend neu zu bauen. „Es ist schon nachhaltig, wenn wir unsere historischen Gebäude im Bestand halten. Dort haben wir alles getan, was möglich ist, und entwickeln uns auch in Sachen Energieeffizienz immer weiter, z.B. durch Einbau neuer, effizienter und sparsamer Heizungen“ – beispielsweise in der Anna-, Auferstehungs- und Dreifaltigkeitskirche. Angesichts des  Kriegs in der Ukraine und der dadurch ausgelösten Energiekrise rät Lange davon ab, „in Panik zu verfallen und alles unreflektiert auf den Prüfstand zu setzen.“

Das Ziel: weg von älteren, fossilen Heizungen

„Wir gehen regelmäßig sehr planerisch vor“, sagt auch Ulrike Distelrath, Leiterin des Pfarr- und Baubüros der Kirchengemeinde Aachen. „Wir warten nicht, bis ein Gebäude komplett kaputt geht, sondern erneuern ständig.“ Die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage sei nur sinnvoll, wenn das Dach in Ordnung ist und die Statik es aushält. Im Moment habe man jedoch mit erheblichen Preissteigerungen zu kämpfen, bei Dachziegeln zum Beispiel um 30 Prozent, ergänzt Lange. „Aktuell sind es vermeintlich banale Dinge,  die uns von der Sanierung abhalten. Viele Firmen sind aufgrund ihrer Kapazität gar nicht in der Lage, das abzuwickeln, was wir gerne möchten. Aus einem Jahr werden dann schnell drei Jahre“, so Lange.

Besondere Herausforderungen seien aber auch durch den Denkmalschutz oder Musikinstrumente verursacht: „Orgeln vertragen keine übermäßigen und plötzlichen Temperaturschwankungen“, erläutert Harald Lange. Eine aktuelle Herausforderung sei die Erarbeitung einer Strategie zur Umstellung der älteren, fossilen Heizungen, z.B. auf Fernwärme, Kraft-Wärme-Kopplung und andere Technologien. Das Martin-Luther-Haus (Familienbildungsstätte) oder die Dreifaltigkeitskirche („JuKi“) werden bereits mit Fernwärme versorgt.

Die Landeskirche möchte auch bei der Mobilität die Kirchengemeinden zu CO2-Einsparungen bringen. „Aber eigene Fahrzeuge, die wir auf Elektromobilität umstellen könnten, haben wir gar nicht“, so Distelrath.

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