09.03.2020

Neuer Superintendent im afrikanischen Partnerkirchenkreis eingeführt

Pfarrer Bentzin und Pfarrer Böhm reisten zum Festgottesdienst nach Tansania - Superintendent Diocres Mashongole von bisherigen Begegnungen bereits ein guter Freund

Als die Einladung von Bischof Keshomshahara auf dem Tisch lag, war für den Kirchenkreis Aachen sehr schnell klar, dass es gut wäre, zu diesem Anlass vertreten zu sein. Und so wählte man Pfarrer Jens-Peter Bentzin als Vertreter des Superintendenten sowie Pfarrer Volker Böhm als Vorsitzenden des kreiskirchlichen Partnerschaftsausschusses als Vertreter für diese Feier. Aus Termingründen wurde schnell klar: der Zeitkorridor ist sehr begrenzt. Sechs Tage für so eine Reise? Macht das überhaupt Sinn?

Afrika wie aus dem Bilderbuch

Was folgte, war der Versuch, innerhalb dieser Zeit zumindest oberflächlich einen Eindruck von Land und Leuten zu gewinnen, die Gelegenheit zum Austausch mit den Menschen in Kigarama zu nutzen und dann den feierlichen Gottesdienst der Amtseinführung mit zu gestalten. Ein ambitionierter Plan. Immerhin blieb bei über 16 Stunden gemeinsam im Flugzeug auch die Möglichkeit, in Ruhe Dinge der eigenen Gemeinde Monschauer Land zu besprechen, eine neue Art ausführlicher Dienstbesprechung. Vor Ort hatten wir nach der Ankunft zunächst die Gelegenheit zu einem eintägigen (selbst finanzierten) Ausflug, bei dem wir den traumhaften Blick in den Ngorongorokrater und die vielfältige Flora und Fauna im Tarangire-Nationalpark genießen konnten, beides aufgrund ungewöhnlicher Regenfälle in sattes Grün getaucht. Afrika wie aus dem Bilderbuch.

Spende für den Bau einer Kirche in Kabambiro

Gleichzeitig sah man doch auch die Problemanzeigen: Wie kann man in unserer Welt die Frage nach der Bewahrung der Schöpfung mit dem Auftrag zur Schaffung eines lebenswerten Lebens für alle Menschen verbinden? Was trägt unser westlicher Luxus und der Tourismus zur Verbesserung der Lebensumstände vor Ort bei? Wer verdient woran? Mit diesen Eindrücken ging es dann weiter in die Bukobaregion westlich des Victoriasees. In angenehmem Klima stand zunächst der Besuch von Kigarama, unserer Partnerkirchengemeinde, auf dem Programm. Dort gab es ein Treffen mit dem Partnerschaftsausschuss sowie dem neuen Pastor Metusela Nyemendhi, der ein hervorragend ausgebildeter junger Mann in seiner ersten Gemeindepfarrstelle ist. Es gab die Gelegenheit zur Übergabe der 5000 Euro, die wir in unserer Gemeinde in den letzten Jahren als Kollekten gesammelt haben. Sie sind bestimmt zur Unterstützung des Baus der neuen Kirche in der Untergemeinde Kabambiro und wurde mit großer Freude angenommen. Der Partnerschaftsvertrag wurde noch einmal besprochen und weitere Ideen bezüglich des Austausches von Informationen, Gebetsanliegen und Delegationen geteilt.

Lebendigkeit und Abwechslungsreichtum

Es war ein sehr offenes und interessantes Gespräch, bei dem klar wurde, wie wichtig Engagement aus der Gemeinde für diese Arbeit ist, da die Amtsträger eben doch häufig wechseln, mehr als bei uns. Anschließend besichtigten wir die Baustelle der schon in Betrieb genommenen, aber noch lange nicht fertiggestellten Kirche in Kabambiro. Der nächste Tag begann dann mit dem Frühgottesdienst in der Kathedrale von Bukoba, da der Bischof meinte, wenn wir schon da seien, könnten wir doch auch mitfeiern. Und so durften wir von diesem mehr als zwei Stunden langen Gottesdienst einen Eindruck von der Lebendigkeit, dem Abwechslungsreichtum und der beeindruckenden Vorbereitung eines „Großstadtgottesdienstes“ mit nach Kashasha nehmen, wo dann die nächsten vier Stunden der Gottesdienst anlässlich der Einführung des neuen Superintendenten Diocres Mashongole stattfand.

Radikale Änderung der Sichtweise

Eine lange, aber keine langweilige Zeit. Für Übersetzung war gesorgt und außerdem wurde uns die Ehre zuteil, mit zu zelebrieren und gemeinsam mit Bischof und Superintendent das Abendmahl auszuteilen. Augenzwinkernd vom Bischof kommentiert, dass die Feier durch uns doch „more coloured“, also farbiger wäre. Uns wurde noch einmal klar: ein paar Stunden Flug und die Sichtweise ändert sich radikal. Es war schon eine besondere Gelegenheit und es war beeindruckend zu erleben, welchen Stellenwert ein solch formaler Anlass aber auch unser Besuch dazu in unserer Partnerkirche hat. Im Gottesdienst gab es dann reichlich Naturalgeschenke (inklusive lebendiger Hühner) für den neuen Superintendenten. Anschließend klang der Tag mit einem gemeinsamen Essen und Gesprächen aus. Der neue Superintendent unseres Partnerkirchenkreises "Kaskazini A", Diocres Mashongole, ist für uns bereits ein guter Freund, der auch schon im Kirchenkreis Aachen zu Gast war. Unter anderem hatte er bei einem ökumenischen Gottesdienst mit den Partnern aus Indonesien, Tansania und Aachen sowie den Freunden aus Halifax in der Stadtkirche Monschau im Jahr 2017 mitgewirkt.

Beeindruckende Erfahrungen mit Menschen

Am Abend waren wir dann noch beim Bischof zusammen mit anderen Gästen aus New York zum informellen Abendessen (Bischof in T-Shirt und auf Socken) geladen, wo so manche theologische Fragestellung angerissen und Adressen getauscht wurden. Bei der Rückreise blieben dann noch ein paar Stunden Zeit, die Füße in den Indischen Ozean zu tauchen und in Bagamoyo noch ein bisschen Mission- und Kolonialgeschichte zu atmen, bevor es zurück ins regnerische Deutschland ging. Was bleibt, sind ganz vielfältige und beeindruckende Erfahrungen mit Menschen, die zwar äußerlich und auch in ihren Lebensumständen und -gewohnheiten so völlig anders sind als wir, mit denen wir aber eben doch unser Fundament, den christlichen Glauben teilen. Gerade in der Liturgie des Gottesdienstes wurde das deutlich, der man auch ohne Sprachkenntnisse tatsächlich folgen kann.

Vielfältige und beeindruckende Erfahrungen

Und ja, es machte Sinn, auch für diese kurze Zeit. Für unsere Partner, die diesen Besuch als hohe Wertschätzung (besonders und auch auf persönlicher Ebene Diocres) empfunden und dieses auch zurückgemeldet haben. Und noch mehr für uns, die wir die Chance auf ein Hinausschauen über den Tellerrand bekommen haben und von der perfekten Organisation vor Ort (es war vom Auto mit Fahrer über Hotels und Verpflegung alles für uns vorbereitet und geregelt) profitierten. Und jede Begegnung verändert, schafft neue theologische und persönliche Erkenntnisse und mach Mut für die Zukunft.
Und gerade in Zeiten von Kirchenkrisen, Strukturdebatten und Finanzproblemen tut es gut zu sehen, dass Kirche eben doch viel mehr ist als das Monschauer Land oder Aachen, dass sie weltweit lebt und sich sorgt, Ideen entwickelt und Zukunft gestalten, und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Und so ist und bleibt es wahr: Wir sind eins in Jesus Christus!
(Text: Jens-Peter Bentzin und Volker Böhm)

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