16.06.2020

März 2020 - Ein Virus stoppt den Lauf der Welt

Zusammenstellung von Petra Jentgens / Vorabdruck aus GB 211 (7-9/2020)

Dipl.-Sozialarbeiterin Petra Jentgens

Große Veränderung – auch im Leben der Senioren, Stille im Gemeindehaus, im Gemeindezentrum und den Kirchen.

Trotzdem bleiben die Menschen in Verbindung. Telefon, Briefe und Internet führen zusammen. Gut, dass die einzelnen Gruppen schon seit langem Telefonlisten besitzen,  die jetzt rege zum Einsatz kommen, um zu erfahren, wie es den Anderen geht. Hübsche Postkarten werden verschickt und manchmal auch vom Einen zum Anderen weitergesandt.

Auch Gruppenarbeit findet neue Wege: Per Post erreichen Geschichten, Gebete, Rätsel und Themen jedes Gruppenmitglied. Auf die Frage „Wie erlebst Du diese Zeit? Gibt es neben dem Schweren auch Gutes?“ erreichen mich viele Briefe … Sie werden „gebündelt“ und an jedes Gruppenmitglied zurückgeschickt. Eine neue / alte Art des Austauschs. Im Folgenden eine Auswahl…



Liebe Petra,

schön, dass Du uns noch nicht vergessen hast. Wie habe ich mich gefreut! Es sind seltsame Zeiten. Ob der liebe Gott uns nun strafen will, weil wir alle so egoistisch waren, immer den Nächsten mit gehässigen Sprüchen bedacht haben? Da war nicht: „Liebe deinen Nächsten…!“

….Aber die Sonne scheint; er hat Erbarmen.

Der Feuerwehrwagen fuhr einige Male vorbei: „…und immer wieder geht die Sonne auf…“ An der Haustür stehend haben wir ihn freudig begrüßt. Glücklicherweise hatten wir keine Ausgangssperre, sodass wir noch mit Nachbarn, Bekannten und freundlichen Menschen sprechen konnten.

Von dem Telefon haben wir reichlich Gebrauch gemacht: eine tolle Erfindung! Da wurde der Tag auch nicht so lang. Immer nur Aufräumen, Gardinen waschen, arbeiten? Nein, das muss nicht sein.

Zu Ostern hat mein Sohn Osterhase gespielt: An verschiedenen Stellen hat er – ohne, dass ich es wusste – bunte Schokoladeneier versteckt mit bespielten CDs. So konnten wir die Osterandachten mit den Predigten hören. Als die Kirchenglocken läuteten, kullerten mir vor Freude die Tränen.

Du siehst, liebe Petra, ich werde gut behütet. Zu Ostern habe ich bei „Onkel Alex“ Schokoladenküsschen gekauft und den nächsten Nachbarn „Frohe Ostern und ein Küsschen“ geschenkt. Im Gegenzug habe ich wegen des „Tanz in den Mai“-Ausfalls einen Tulpenstrauß bekommen.

Natürlich bin ich traurig, dass wir uns nicht mehr sehen. Ich wünsche mir die Zeit sehnlichst herbei, dass wir bald unsere Mittwochs-, Dienstag- und Sonntagstreffen wieder haben.

Ich würde allen um den Hals fallen; welch eine Freude!

Bei unserem nächsten Treffen wird es eine andere Zeit geben; alles auf Distanz, schrecklich.

„Auch das geht vorüber.“

Liebe Petra, bleib gesund und bis bald.

Alles Gute
Monika

Rom 12,12: Seid fröhlich in Hoffnung…



Liebe Petra,

Danke für die lieben Zeilen.

Ja, Corona hat die Welt verändert und die Menschen sind auf einmal füreinander da.

Nachbarn sprechen miteinander, mit den Worten können wir helfen – und alles mit Abstand…“

A., 79  J.



Wie ein Dieb in der Nacht?

Hat uns das Coronavirus (man mag es kaum noch hören: Corona, Corona,...) wie ein Dieb in der Nacht überrascht? Und wir waren ahnungslos und ahnten nichts Böses? Und jetzt ist unsere Gemeinde, die doch so auf Gemeinschaft setzt, besonders tief getroffen: Die lebendigen Gottesdienste mit dem Kirchenkaffee und all die Gruppen, in denen diskutiert, einander besucht, gefrühstückt, gesungen, gespielt, gemalt und gebastelt wird, nichts darf mehr stattfinden.

Aber es war eben nicht wie der Dieb in der Nacht: Wir waren gewarnt. Das Robert-Koch-Institut, das in diesen Tagen so sehr gescholten wird, hatte schon Jahre zuvor eine solche Pandemie vorhergesagt, bis in Einzelheiten, wie sie heute Wirklichkeit geworden sind. Und es gibt Warnungen für weiteres Unheil: die Klimakatastrophe, nie dagewesene Unwetter und Dürren, Hungersnöte, Überflutungen, Erdbeben an sehr genau bestimmten Orten auf der Erde. Wir haben uns daran gewöhnt.

Und plötzlich ist es so weit. Die Bilder von den völlig überlasteten Kliniken, von den Ärzten und Pflegern, die sich kaum noch auf den Füßen halten, die Särge, die Massengräber für die Menschen, die einsam und ohne Trost gestorben sind. Und die Angst, dass plötzlich alles zusammenbrechen könnte, was wir für so selbstverständlich und sicher gehalten haben. Als Erstes suchen wir dann Schuldige, die Politiker vielleicht, die wir aber doch selbst gewählt haben. Oder die Leute in China, wo das Virus herkommt, oder gar böse Mächte oder Verschwörer.

Und schließlich finden wir Christen vielleicht auch zum Gebet. Aber um was bitten wir? "Gott, lass dieses Unheil an mir und meiner Familie vorbeigehen?" Oder "Gott, beende das Wüten des Virus, lass es verschwinden?" Also Gott um ein Wunder gegen die Gesetze der Natur bitten? Und als Vorbild dafür denken wir an die Wundergeschichten von Jesus? Dabei vergessen wir, dass Jesus das entscheidende Wort immer am Ende dieser Geschichten gesprochen hat: "Dein Glaube hat dir geholfen." Und darum könnte unser Gebet etwa so lauten: "Guter Gott, mache uns stark in dieser Krise, festige unser Vertrauen und bewahre unsere Hoffnung, dass wir gemeinsam bestehen können. Und auch dann, wenn wir schlimme Schläge hinnehmen mussten, schmerzliche Opfer bringen mussten, lass uns wieder aufstehen und Hand in Hand weitergehen."

J.Schnakenberg, Mai 2020



Durch die vielen schrecklichen Erlebnisse in meinem Leben kam bei mir keine Angst auf, ich war eher neugierig, wie sich der Mensch heute verhält und stellte fest, das der Egoist noch nicht ausgestorben ist; ihn wird es wohl immer geben.

Das Gute behält aber die Oberhand und das macht mich alten Mann glücklich und zufrieden.

Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen und ein ellbogenfreies Miteinander….“;

Werner Rothaug



Über Deine Post habe ich mich sehr gefreut – danke!

Das Engelgebet hilft mir in diesen Tagen – ich werde es kopieren und meinen Freunden senden – so ist man in diesen Tagen nicht so allein.

  • Ich fühle mich entschleunigt.
  • Unsere Frühstücksgruppe mit Dir vermisse ich.
  • Die Gottesdienste live fehlen mir.
  • Meine Freunde bei mir oder bei ihnen zu treffen fehlt mir.
  • Ich koche mehr und aufwändiger.
  • Oft fehlt durch die Krise auch die menschliche Nähe.
  • Man sieht das Ende noch nicht…“;

C., 82 J.



Viele Menschen sind zusammengerückt, alt und jung, arm und reich und sollte Corona auswandern, wäre mein Wunsch, dass das so bleibt!

Bleib gesund

D., 79 J.



Ich denke, dass Gott uns wachrütteln und die Welt zum Nachdenken zwingen will. Er sagt uns, was habt ihr aus dem schönen Land gemacht. Das viele Gift, das in die Luft und auf die Erde geschossen wurde, das konnte ja nicht gut gehen. Ich genieße das schöne Wetter und gehe spazieren.

Herzliche Grüße,
Wilhelmine Schierp



Wir Alten haben den zweiten Weltkrieg erlebt. Das war eine viel schlimmere Zeit. Man konnte nichts dagegen tun. Wir hatten damals ein Jahr lang keine Schule. Heute sind die Schulen auch geschlossen, aber es wird noch einiges auf die Beine gestellt. Wenn ich an die Zeit zurück denke, kann ich mich damit trösten.

Ich lebe zur Zeit mit meinen Hobbys. Lesen, Schreiben, Nähen, bunte Blumen und Gräser trockne ich und beklebe damit Karten. Viele verschenke ich dann. Im Moment ist der Mundschutz gefragt. Aus allen Stoffresten, möglichst aus Baumwolle, wird ein Mundschutz gezaubert. So macht man sich nützlich. Was mir am meisten Mühe macht, ist Abstand halten.

Marlene Thelen



Gutes in der Corona-Zeit

Mit dem Aufkommen des Coronavirus hat sich für uns alle unerwartet viel  Bedrückendes aufgetürmt. Wir spüren heute Unsicherheit in allen Bereichen unseres Lebens und keiner weiß genau, was wann und auf wen zukommen wird. Dabei fühle ich mich als Zeitzeuge an die Ängste am Kriegsende vor 75 Jahren erinnert. Die Lebensumstände waren damals furchtbar und für einen Fünfzehnjährigen schwer zu ertragen. Aber nach der Überwindung haben wir das Gute gesehen: die gewonnene Freiheit. Es ist geschehen, wie Dietrich Bonhoeffer vorher erkannt hat: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“

Heute bedroht uns anderes Böses und wir sind aufgerufen, es zu überwinden und Gutes entstehen zu lassen, also selbst etwas zu tun. Als erste Maßnahme ist heute für uns alle unsere persönliche Freiheit auf Zeit eingeschränkt worden. Das hat zu gewaltigen Veränderungen im täglichen Lebens geführt, und alle haben verstanden, warum dies notwendig ist und haben sich angepasst.

Heute sind die äußeren Bedingungen unvergleichlich besser und günstiger als 1945: wir haben alle ein Dach über dem Kopf, jederzeit auffüllbare Kühlschränke, ein belastbares Gesundheitssystem und die Rente. Für die wirtschaftlichen Kon-sequenzen mit Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust und Wiederanlauf von Geschäften und Betrieben gibt es finanzielle Hilfen.

Und trotzdem haben wir Ängste und Sorgen für die Zukunft. Noch haben wir mehr Hilferufe als Verbesserungen. Die drückenden Sorgen sind nicht vertrieben, neue sogar dazu gekommen. Haben wir bisher im eigenen Interesse Einschränkungen hingenommen, so regt sich heute eine Minderheit und will den Schutz für die Gemeinschaft (und für sich!) aufgehoben sehen. Entsteht da Gutes? Es wird aber Gutes entstehen, wenn wir diszipliniert zusammenhalten!

Den bekannten Einschränkungen ist dann auch die Feier meines großen runden Geburtstags zum Opfer gefallen. Keine große Schar von Gratulanten, weniger Briefe,    dafür mehr E-Mails – und die große Überraschung: über mehrere Tage viel mehr und längere Telefongespräche! Die Themen waren breiter und bezogen sich natürlich       auch auf die augenblickliche Lage. Und die Gespräche waren viel intensiver. Diese völlig andere Art Geburtstagsfeier hat uns überrascht und für den Ausfall der            traditionell fröhlichen Feier voll entschädigt. Dieses Ereignis hatte für mich etwas Gutes!

G. Heinrichs, 14. Mai 2020



Es war alles so schön

Es war alles so schön – alles war klar –
doch plötzlich war es nicht mehr, wie es war.
Denn von Stunde zu Stunde
war das Wort „Corona“ in aller Munde.
Corona, ein Virus hatte die ganze Welt erreicht
und machte es den Menschen nicht leicht.
Man durfte nicht mehr zusammensein;
Jeder blieb für sich allein.
Aber das Alleinsein ist so schwer,
keine Bekannten sah man mehr.
Aber wir machten das Beste daraus
und telefonierten von Haus zu Haus.
Auch das Schreiben fiel uns nicht schwer,
so kontaktierten wir - was wollen wir mehr.

Aber:
Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei:
Der März, der April
und auch noch der Mai.
Dann sehen wir uns hoffentlich wieder,
man freut sich darauf,
singen dann unsere Lieder:

„Corona, Corona, Corona,
das Virus, das mögen wir nicht.
Corona, Corona, Corona,
uns zu schützen ist unsere Pflicht.
Wenn die Viren sich auch vermehren,
wir uns dagegen wehren,
mit Handschuh und mit Maske,
hast du keine Chance.
Corona, Corona, Corona….“

(Melodie Marina, Mariana von V. Torriani)

Bis dahin eine gute Zeit
und bleibt gesund!

Viele liebe Grüße – ohne Zweifel
kommen aus Breinig – der Voreifel.

G. Lembke

 

Evangelische Kirchengemeinde Aachen

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